Dienstag, 8. Februar 2011

Sonnntägliches Techniktraining

Wie der regelmässige Gigathlon-Blog-Leser weiss, bin ich schon eine Weile dabei, mich im Wasser für meine Herausforderung(en) im Sommer vorzubereiten. Da ich aber relativ schnell einmal bemerkte, ohne ein zweites Paar Augen nur langsame Fortschritte zu machen, nutzte ich eine "weihnachtliche Gelegenheit" und besuchte letzten Sonntag ein Schwimm-Seminar.

So viel versprechend die Ausschreibung und Ankündigung desselben waren -
  • Dauert von 0900 - 1600,
  • Technikverbesserungen,
  • Drei Coaches,
so fruchtbar war dann auch mein nasser Sonntag. Durch mehrere Abmeldungen begründet, war der Kurs eher unterbelegt, was das rechnerische Coach/Schüler-Verhältnis positiv beeinflusste. Angefangen hat das ganze mit dem obligaten Sich-einander-vorstellen, gefolgt von einschwimmen, Niveau-Einschätzung durch unsere Coaches und wurde dann gefolgt von dem anschliessendem Programm.


© Sligo Triathlon Club
Um uns selber einmal beim Schwimmen zuschauen zu können - ein inhärentes Problem dieser Sportart - führten wir eine Video-Analyse durch, die uns aufzeigte, wie die individuelle Wasserlage ist, wie fliessend die Schwimmbewegungen etc. Da unsere Gruppe dennoch zu gross war und auch, um möglichst wenig Leerlauf zu generieren, wurden wir in zwei kleinere Grüppchen aufgeteilt, von denen die erste zu Beginn die Videoanalyse durchführte - gefolgt von einer Besprechung derselben im separaten Video-Raum - während die zweite Gruppe mit Technik-Übungen beschäftigt war.

Da meine Technik noch ziemlich zu wünschen übrig liess, nutzte ich die Gunst der Stunde und verzichtete am Vormittag auf die Video-Analyse zwecks doppeltem Technik-Training. So kam ich in den Genuss von beinahe-Privatstunden und konnte maximal profitieren.

Was wurde hauptsächlich angeschnitten? Schwimmen - wie jede andere Sportart - besteht aus einem komplexen Bewegungs-Ablauf von verschiedenen Körperpartien. Es nimmt meines Erachtens auch hier wieder eine etwas speziellere Position ein, da ein besonders grosser Prozentsatz des Körpers beansprucht wird. Fangen wir unten an und arbeiten uns nach oben:

© Paul Filmer
  1. Füsse: Sind schlussendlich entscheidend, ob ein Schwimmer in der Lage ist, auch mit dem Unterkörper Vortrieb zu erzeugen. Sollten aktiv bewegt werden. Wie? Man spürt, wenn es richtig ist.
  2. Beine: Sind dazu da, die Füsse anzutreiben, den Körper bei der Rotation zu stabilisieren. Hauptsächlich werden die Oberschenkel beansprucht - die Unterschenkel führen die Bewegung weiter.
  3. Hüfte: Von da kommt ein Grossteil der Kraft - und somit des Schubes - für die Vorwärtsbewegung.
  4. Unterer Torso (Bauch): Wird bei der Beinbewegung automatisch gespannt und unterstützt aktiv die Beinbewegung.
  5. Rücken: Wird gleich mehrmals gebraucht, da beinahe alle anderen Komponenten daran anschliessen. Sollte hauptsächlich in der Längsachse rotieren.
  6. Arme: Erzeugen den Hauptschub beim Crawlen. Optimalerweise schwimmt man mit einer - von meinem Coach passenend - so genannten "Abklatsch-Technik", d.h. der eine Arm zeigt in die Schwimmrichtung solange bis der zweite Arm mit dem Zug fertig ist, über dem Wasser nach vorne bewegt wurde und wieder ins Wasser gleitet.
  7. Kopf: Optimalerweise ist der Kopf praktisch zu 100% unter Wasser während der Schwimmphase, um den Wasserwidersand zu minimieren. Nur beim Atmen dreht der Kopf - zusammen mit der Schulter und einer Ganzkörper-Rotation - zur Seite, um den Mund der Luft zu exponieren.

Vergleiche ich dies mit meinen anderen Sportarten, so finde ich bei keiner einen so grossen Prozentsatz an Körperpartien, die aktiv an der Fortbewegung beteiligt sind. Schwimmen ist also Ganzkörpertraining!

Wie ihr euch bestimmt denken könnt, haben wir im Kurs jedes der oben genannten Elemente mehr oder weniger genau beleuchtet. Resp. führten wir Übungen durch, die einzelnen Bewegungsabläufe schulten.

Wichtig beim Schwimmen ist ein gutes Körpergefühl - wir begannen also damit, zu spüren, wie wir uns im Wasser fortbewegten bei einfachem Gleiten. Dann gingen wir über zu der optimalen Beinbewegung: wie muss ich die Füsse halten, so dass die Effizienz maximiert ist?
Weiter war dann die Armbewegung in unserem Fokus: Wir übten die verschiedenen Phasen des Armzuges und machten uns bewusst, wo man am meisten verlieren kann, hält man seine beiden Hände nicht in der besten Position.

© Total Immersion Europe GmbH
Soviel zu den aktiven Bewegungen, um im Wasser vorwärts zu kommen... Doch etwas fehlte noch... Richtig! Genau, weil es bei allen anderen Sportarten selbstverständlich ist, wird es oft schwierig beim Schwimmen: das Atmen. Auch diesen wichtigen Aspekt des Schwimmens beleuchteten die Coaches im Detail. Sie zeigten uns wie, aber auch wann am besten geatmet werden sollte.
Für mich als "Anfänger" ist dies noch immer ein Punkt, an dem ich noch viel arbeiten kann. Doch das Seminar hat mir nicht nur beim Atmen ermöglicht, meine Bewegungsabläufe genauer zu analysieren und zu erkennen, was ich wie ändern sollte.

Es wird selbst verständlich noch ein wenig dauern, bis ich die Verbesserungsvorschläge und den anderen Input verinnerlicht habe. Ich werde mir gerne diese Zeit lassen und solange üben, bis ich den "perfect flow" gefunden habe.

Ich kann nur jedem wärmstens empfehlen diesen oder einen ähnlichen Schwimmkurs zu besuchen, falls er/sie vor hat, den persönlichen Schwimmstil zu verbessern.

© Speedo
Aus dem Kurs kam ich am Sonntag nach - ja, wirklich - sechs (6) Stunden im Wasser ziemlich erschöpft nach Hause. Am Abend lechzte meine Haut - vor allem mein Gesicht - nach fettigen Cremes; ein so langes dem (Chlor-) Wasser Ausgesetztsein belastet die Haut mehr, als ich vorgänglich gedacht hätte.

Mein Fazit dieses Seminar betreffend ist eindeutig und absolut: ich bin begeistert von den grossen Fortschritten, die ich in dieser kurzen Zeit erreichen konnte und - ich glaub es selber kaum ;-) - noch motivierter als zuvor, mein Schwimmtraining weiter zu führen.

Ich wünsche euch allen da draussen so schöne Flow-Erlebnisse, wie man sie (auch) beim Crawlen haben kann!

Blue Skies!

Rolf

1 Kommentar:

  1. Also ich bin froh, darf ich von "meiner" Disziplin sagen: die ist nicht halb so kompliziert, auch wenn sie halb soviele Muskelgruppen beansprucht.
    Ich kann dann abends am Gigathlon wenigstens noch die Gabel halten ohne den Muskelkater zu spüren. :-D
    Aber das ist das Schöne am Gigathlon: jeder kann mit "seiner Lieblingsdisziplin" am selben Anlass und der Teamleistung teilnehmen.
    Happy Trails! - Linda

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