Für den Gigathlon müssen 99% der Teilnehmer wohl ein etwas härteres Training fahren. Manche melden sich an, um eine Trainingsmotivation zu haben, Andere vielleicht nur um die Trainingsform auch einmal zu prüfen. Durchkommen wollen sie alle... gewinnen bleibt nur Wenigen als Ziel vorbehalten. Aber allen gemeinsam sind viele Stunden Vorbereitung, auch als "Training" bezeichnet. Diese Vorbereitung unterscheidet sich aber wenig von jedem Alltagssportler, der am Samstagmorgen in T-Shirt und Turnschuhen unterwegs ist. Zwar rüsten sich (Möchtegern-)Gigathleten mit Trainingsplänen, Pulsuhren, Statistiken, High-End Sportgeräten und vielleicht sogar Ernährungsplänen aus... doch eigentlich benötigt jeder der ein besserer Sportler sein will nur eines: zwei Ohren. - (Und vielleicht das Hirn dazwischen um die Meldungen umzusetzen ;-)
Trainingspläne findet man heute für jeden Zweck im Internet und jedes Sportgeschäft schmeisst mit Pulsuhren nach uns. Pulsuhren und Trainingspläne sind auch super: wissenschaftlich genau nach dem Minimalprinzip (d.h. mit dem Minimum an Aufwand das Maximum erreichen) wird unser Körper auf Leistung getrimmt. "Wenn du 3x pro Woche 60min mit Puls 135-145 rennst bist du in 12 Wochen fit für den Marathon", liest man in jedem zweiten Sport/Lifestyle-Heftchen. - Alle diese Pläne nehmen jedoch keine Rücksicht auf die sogenannten "Soft Factors". Z.B. wie Wohl man sich fühlt, ob eine Erkältung im Anmarsch ist, ob das gestrige Training noch tief in den Knochen steckt, ob man zuwenig geschlafen hat oder auf der Arbeit oder zuhause viel Stress ausgesetzt ist. Das ist in etwa so, als ob man beim Squashen immer mit gleicher Power und Winkel auf den Ball wummert, ohne zu berücksichtigen, ob dieser warm oder kalt ist und mit einem Spin oder keinem geflogen kommt! Das kann zu Erfolg führen oder gewaltig schief gehen. Viel kleiner ist das Scheiterrisiko jedoch, wenn man vermehrt hinhört was der Körper uns zu sagen hat.
Wie oft wollten wir uns die Turnschuhe anschnüren und hörten diese innere Stimme, auch "der Innere Schweinehund" genannt, mit den Null-Bock-Parolen? Wie oft bist du Laufen gegangen und "hattest total leere Beine"? Wie oft möchte man schon abends um 21 Uhr oder morgens um 10 nochmals ins Bett fallen und schlafen? Manchmal haben die inneren Stimmen recht! Was ich zum Beispiel in letzter Zeit höre ist: essen! Wieder essen! Schlafen! Mehr schlafen! Mehr essen! Früher schlafen!
Logisch: der Trainingsumfang und somit der Kalorienverbrauch ist gestiegen, aber auf Kosten des Schlafs - denn weniger Arbeit oder weniger Freizeit habe ich nicht einberechnet - oder schlichtwegs nicht geschafft.
Der Körper fordert immer genau was er braucht - es liegt an uns dies auch zu hören und es ihm zu gewähren. Dazu braucht man keine Pulsuhr und keinen Trainingsplan. Vergesst "viel hilft viel - mehr hilft mehr" sondern denkt daran, dass der Körper auch Ruhetage braucht um die "Trainings" umzusetzen und setzen zu lassen. Ruhetage sind also nicht nur erlaubt, sondern sogar zwingend! Der beste Beweis dafür ist, dass auch in den Trainingsplänen der Spitzenathleten solche Ruhetage, oder eine ganze Woche mit kleinem Umfang auf härtere Tage oder Wochen folgen.
Manchmal schreit der Innere Schweinehund auch in einer Trainingssession "Komm, 1h ist genug, lass uns aufhören!" das ist der Moment bei dem man etwas tiefer hineinhören muss. Ist es jetzt echt oder nur eine Ausrede? Dies ist wohl der schwierigste Fall, aber mit der Zeit lernt man auch hier zu unterscheiden und reichtig zu entscheiden. Grundsätzlich mache ich in solche Fällen immer erst10min weiter und schaue, ob sich das Gefühl verflüchtigt. Aber wenn in einem Training mal "gar nix kommt", dann darf man auch mutig sein und umkehren. Oder eben vor dem Starten schon ein Ruhetag deklarieren, weil man gar nicht fit ist.
Wenn es sein muss (und ich kenne viele solcher Sportler, die nervös werden und am Ruhetag doch "nur ein bisschen joggen" gehen müssen...!), dann sollte dieser Ruhetag auch fix eingeplant werden - ein Tag des Nichtstun. Nehmt das Auto zur Arbeit! Sitzt herum. Wenn ihr stehen müsst, lehnt euch an der Wand an oder stützt euch auf einem Pult ab. Wenn ihr faul seid, trinkt keinen Kaffee sondern macht ein Nickerchen. Aber am nächsten Tag, beim nächsten Training gibt es keine "halben Sachen" oder "früher Schluss machen". Klingt doch wie ein guter Deal für den Schweinehund!
Sportler werden besser, wenn sie unsere Grenzen zu gehen, sie vielleicht überschreiten - aber nicht völlig überschiessen - und sich im Gegenzug zerschiessen. Was nützt es, ein Training mit Husten zu absolvieren und nachher zwei Wochen ganz krank zu sein? Wir alle wissen immer noch am besten, was uns gut tut und was zuviel ist. Vor lauter iPod in den Ohren, Pulsfrequenzen auf dem Display und Kilometer in den Excels hören wir es manchmal einfach nicht mehr!
In diesem Sinne: Train hard, rest harder! - Was meint ihr dazu?
Grüsse, Linda
(C) Fotos by soccerholic und FirstMicheal
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